Weshalb ich nicht nach Thailand wollte und am Ende 3 Monate dort lebte…

Jetzt fragen sich sicher Einige von euch – weshalb wollte sie denn nie nach Thailand? Da sieht man doch immer so tolle Bilder!

Naja, was soll ich sagen… dort war sogar meine Oma schon 😉 Was natürlich einerseits dafür spricht, dass ich eine ziemlich coole Omi hab, aber auch dafür, dass Thailand das Touriland Nummer eins in Südostasien ist. Darauf stehe ich nun bekanntlich überhaupt nicht. Ich möchte Abenteuer, unberührte Natur, Entdeckungstouren, traditionelle Kulturen und authentische Menschen. All das trifft auf Thailand nicht so richtig zu. Dachte ich zumindest. Somit hat es mich auch nicht gereizt.

Aber man lernt ja nie aus und Vorurteile sind bekanntlich dazu da, beseitigt zu werden.

Vor unserer Reise habe ich oft gesagt, dass ich während der Zeit in Asien sehr gerne an einem Ort für einen bestimmten Zeitraum leben würde. Mit einem eigenen Zimmerchen, einer festen Aufgabe (wenn nicht sogar einem Job), Nachbarschaft, und allem was dazu gehört. Auch Volunteering stand sehr weit oben auf der To-do-Liste.
So kam es, dass wir nach dem Iran und Malaysia überlegten, was wir gern als nächstes tun möchten. Dass der Iran mit 30 Tagen Couchsurfing, als auch die Zeit des Ramadans in Malaysia wenig mit Entspannung, Bewegung und gesunder Ernährung zu tun hatten, beschlossen wir, mal wieder etwas für unseren Körper und unser geistiges Wohlbefinden tun zu wollen.

Vor einer ganzen Weile habe ich mich in Yoga verliebt. Für Yoga ist Asien natürlich eine nahezu perfete Anlaufstelle. Allerdings gehört der Sport auch zu einem der wenigen Dinge, welche sogar hier vergleichsweise teuer sind. Wie immer hilft natürlich kein meckern, sondern nur handeln. Sprich – wir brauchen einen Volunteerjob, welcher uns kostenfreien Yogaunterricht beschert.

Nach zahlreichen Recherchen und Emails die Antwort. Yogahouse Chiang Mai: „Ab Montag könnt ich bei mir kostenfrei wohnen und am Yoga-Unterricht teilnehmen. Ihr helft mir ein wenig beim daily Business und entwerft mir neue Flyer.“ Wow. Das klingt unkompliziert.
Wir buchen den Flieger, da der Weg per Bus und Bahn ziemlich zeitintensiv gewesen wäre, verabschieden uns von unseren Freunden in Malaysia und machen uns auf den Weg nach Chiang Mai.

Das Yogahouse liegt ca. 25 Kilometer außerhalb von Chiang Mai. Wir fahren durch ein kleines Dorf, vorbei an zahlreichen leuchtenden Reisfeldern, bis hin zu unserem neuen Zuhause auf Zeit.
Hier wartet der Besitzer Ma auf uns. Er begrüßt uns sehr gelassen, zeigt uns das Grundstück. Ich bin super beeindruckt. Alles hier ist so einfach und unglaublich schön. Rund um uns herum ist nichts als tiefgrüne Reisfelder, eine kleine Farm in der Nachbarschaft, hunderte Kokosnüsse hängen paradiesisch an Palmen und man hört etwas sehr ungewohntes. Stille.

Wow, wenn hier nicht der perfekte Ort ist, um die ersten Eindrücke der letzten Monate zu verarbeiten, ein wenig zu sich selbst zu finden und mehr über Yoga zu lernen, wo dann!? Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, ein eigener Yogalehrer und ganz viel Ruhe.

Ma zeigt uns unser Zimmer und sagt, wir sollen doch in den nächsten Tagen erst einmal hier ankommen und die Energie des Platzes spüren, bevor wir anfangen zu arbeiten.

Puhhh….damit rechnet ein Deutscher natürlich nicht, wenn er einen neuen Job antritt. Aber leben können wir mit dieser Aufforderung sehr gut.

In den nächsten Tagen radeln wir morgens gegen 07.00 Uhr zum Dorfmarkt, kaufen frisches Obst und Gemüse und verbringen unsere Zeit mit Yoga, Meditation, Entspannung, lesen, kochen und machen etwas, was wir seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht haben. Wir können kreativ sein. Ma lässt uns völlig freie Hand. Wir bauen aus Bambus die Betten zu Himmelbetten um, bemalen Wände und Türen, lassen unserer, uns bis dahin unbekannten, Kreativität freien Lauf.

Ende der Woche endlich Gäste im Yogahouse. Nun sehen wir mal, was das Tagesgeschäft hier beinhaltet. Wir bereiten die Zimmer vor, zeigen den Gästen das Grundstück und helfen bei der Essensvorbereitung. Es gibt sicher anstrengendere Jobs. Die Fahrräder und Mopeds können wir kostenfrei nutzen, sodass wir auch manche Tage nicht im Yogahouse, sondern in Chiang Mai, oder den tollen Bergen, Wasserfällen und Tempeln der Umgebung verbringen.

Die Arbeit am neuen Flyer ist Ma gar nicht so sehr wichtig. Wichtig ist für ihn, dass wir gemeinsam Zeit verbringen und er freut sich über unsere kleinen Umbauten und unsere Hilfe.
Wir treffen die Entscheidung mit Andreu aus Peru und Daniel aus Brasilien ein Yogalehrertraining für Anfänger zu absolvieren. Eine tolle, lehrreiche und super anstrengende Woche beenden wir als offizielle Yogalehrer und lernen sehr viel über Meditation. Somit rückt mein kleines großes Ziel, eventuell in Indien an einer 200-Stunden-Yogaehrerausbildung teilzunehmen, ein kleines Stück näher.

In Thailand bekommt man als Deutscher ein Touristenvisum für 30 Tage bei Einreise kostenfrei. Dieses kann man für ca. 50 Dollar um einen weiteren Monat verlängern, oder man kann durch einen Border-Run diese Kosten umgehen.

Wir möchten an einem 10 Tages-Meditationsretreat im Tempel teilnehmen. Dafür reicht unser Visum nicht mehr aus, somit beschließen wir nach Myanmar zu reisen, um danach zurück zu kommen. Ein schönes Gefühl statt „Tschüss“ „Bis bald“ sagen zu dürfen.

Nach einem Monat im wundervollen Burma kehren wir zurück ins Yogahouse. Wir wollen ein paar Tage hier verbringen, bevor unser Retreat beginnt. Zu diesem Zeitpunkt rechnen wir noch nicht damit, dass Christians scheinbare Erkältung mit einem Aufenthalt im Krankenhaus auf Grund von Dengue Fieber endet. Dadurch müssen wir auch unseren Tempelaufenthalt vorerst verschieben.
Er muss sich nach der Entlassung noch ein paar Wochen ausruhen. Tja….was soll ich sagen? Einen viel besseren Ort kann ich mir dafür nicht vorstellen.
Auch Ma geht es zwischendurch nicht ganz so gut, obwohl ich nicht sicher bin, ob ein Hangover als anerkannte Krankheit zählt. 😉 Jedenfalls bekamen wir so die Chance auf die super Erfahrung „unser eigenes Yogaguesthouse“ zu leiten. Durch eigene Socialmediawerbung haben wir Gäste bekommen, diese in Chiang Mai abgeholt, für sie gekocht, als auch Yoga und Meditation unterrichtet. Eine sehr schöne Erfahrung und ein angenehmes Gefühl, dass uns so viel Verantwortung übertragen wurde. Und erst recht, dass wir diese mit Bravour meistern!

Bevor unser Visa ein zweites Mal ausläuft und wir eine Verabredung mit Freunden in Kambodscha haben, steht uns noch ein Roadtrip in die Berge bevor. Es geht über die tolle kleine Hippistadt Pai, bis an die Grenze zu Myanmar und über Mae Hong Son zurück zum Yogahouse.

Dass wir in Pai nur eine Nacht geplant hatten, war Fluch und Segen zugleich. Hier sitzen Locals mit Rastas und Gitarren auf der Straße, singen und versprühen ihren unglaublich entspannten Bob-Marley-Flair, welcher mich an Indonesien erinnert. Nachdem ich barfuß über den Nachtmarkt geschlendert bin und nach wenigen Stunden ein paar Dreadlocks, Armbänder und Ketten mehr habe, bin ich mir sicher, dass ich nach einer Woche sicher hier stecken bleiben würde 😀 Also gut, dass es am nächsten Morgen weiter Richtung Norden geht.

Hier haben Chinesen in der Vergangenheit so lange einen Ort besetzt, bis die thailändische Regierung ihnen Pässe ausstellte. Hmm….klingt ziemlich einfach. Ein malerisches kleines Dörfchen, in welchem man sich fühlt, als wäre man in China. Wir machen ein Feuerchen, spielen Karten und übernachten in einem kleinen Guesthouse.

Am nächsten Morgen führt unser Weg über die kurvigen Bergstraßen, durch Nationalparks und unglaubliche Aussichten nach Mae Hong Son.

Nach 3 Tagen endet unser kleiner Ausflug bereits und wir machen uns auf den Weg nach Kambodscha, wo wir die nächsten 4 Wochen verbringen.

Während unseres Kambodschaaufenthaltes besuchen uns nicht nur drei liebe Freunde, auch unser Fusselchen (ein weiterer sehr guter Freund aus Erfurt) stößt hinzu und wird uns bis Weihnachten begleiten, was eine riesige Berreicherung für uns seinen wird. Wir überlegen gemeinsam, wie unsere Reisepläne weitergehen und kommen nach reichlich Überlegung zu dem Entschluss Anfang November zum bekannten Lichterfest nach -ratet mal-…..Chiang Mai zu fahren!

Im Yogahouse haben wir bereits viele tolle Menschen kennengelernt. Einer davon war unser Marius aus Heidelberg. Nachdem wir sofort auf einer Wellenlänge waren (und ich ihn als offizielles Familienmitglied adoptiert habe), stieß er in Kambodscha wieder zu uns, bereist mit uns dieses tolle Land und entschließt sich ein weiteres Mal für knapp 3 Wochen zurück zu unserem Kennenlernort zurückzukehren.

So kommt es also, dass wir tatsächlich ein drittes Mal hier landen.

Dazu kommt noch Jessi- eine liebe Freundin und ein unglaublich lebensfroher Mensch, mit welcher ich in Erfurt Sport gemacht habe. So wächst unsere Gruppe Stück für Stück und wir sind eine tolle Einheit, voller Energie, Lebensfreude und Entdeckungslust.

Leider folgt ein weiterer Krankenhausaufenthalt, welcher aber auch gut überstanden ist. Wenn ihr also Fragen zur ärztlichen Versorgung in Thailand habt, wendet euch vertrauensvoll an uns 😀

Inzwischen sind wir im Norden Thailands unterwegs. Hierher sind wir mal wieder getrampt. Ein bisschen haben wir uns gefühlt wie in einem amerikanischen Film. Während uns die Sonne ins Gesicht schien, saßen wir auf den Ladeflächen 2 verschiedener Pickups, welche uns die 180 Kilometer von Chiang Mai nach Chiang Rai brachten. Ein tolles Gefühl. Musik läuft, der Wind weht durch die Haare und die riesigen Berge leuchten in der Sonne.

Chiang Rai hat mit dem bekannten weißen Tempel und seiner umliegenden Natur bestehend aus Dschungel, Reisfeldern, Flüssen, Bergen und Seen Einiges zu bieten.

Morgen geht es weiter nach Laos, denn vorerst reicht es wieder mit den westlichen Standards. 😉

Mein Fazit: Thailand ist natürlich ein wunderschönes Land. Es zieht uns immer wieder zurück, es gibt viele weniger touristische Fleckchen zu erkunden und wir mögen die friedliche Atmosphäre hier sehr.

Ähnlich wie in Malaysia sind westliche Standards hier an der Tagesordnung. Nahezu jede Straße ist asphaltiert, das Menü im Restaurant auf englisch verfügbar und keiner wundert sich über Touristen. Leider ist es in Thailand so normal, dass unzählige Weiße hier leben, dass die Einheimischen sich nicht so richtig für uns interessieren, verglichen mit manch anderen Ländern Südostasiens. Wir genießen einfach das Gefühl durch Straßen zu laufen, in welchen uns die Kinder winken und Erwachsene auch ohne englische Sprachkenntnisse versuchen unbedingt mit uns zu kommunizieren. Dieses Interesse und diese Herzlichkeit hat uns in Thailand ein wenig gefehlt. Das Essen, die Tempel und die Preise sind selbstverständlich beeindruckend und auch den Namen „Das Land des ewigen Lächelns“ trägt Thailand nicht ohne Grund!

HIER kommt ihr übrigens nochmal zu einer Auswahl an Bildern unseres Aufenthaltes im Yogahouse und Umgebung 🙂

Die offizielle Homepage des Yoga House‘ Chiang Mai erreicht ihr übrigens mit nur einem KLICK.

Also keine Scheu – in jedem Alter, mit jedem Budget und auch ohne Fremdsprachenkenntnisse kann jeder von euch dieses hübsche Land besuchen. Wer jedoch nach Entdeckungstouren und Tradition, die nicht auf Touris ausgerichtet sind, sucht, sollte sich eher an den Nachbarländern orientieren.

Anni

One thought on “Weshalb ich nicht nach Thailand wollte und am Ende 3 Monate dort lebte…

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