{"id":669,"date":"2017-05-01T20:11:15","date_gmt":"2017-05-01T18:11:15","guid":{"rendered":"http:\/\/losreiser.de\/?p=669"},"modified":"2017-05-01T20:11:15","modified_gmt":"2017-05-01T18:11:15","slug":"gefuehlschaos-beim-abschied-auf-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/losreiser.de\/?p=669","title":{"rendered":"Gef\u00fchlschaos beim Abschied auf Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Wie lang will ich diese Zeilen schon schreiben.<\/p>\n<p>Nie ist der richtige Moment. Im Einen ist man zu emotional, zu melancholisch, im Anderen zu beeindruckt und abgelenkt von vielen neuen und tollen Dingen, welche das Beschreiben s\u00e4mtlicher Gef\u00fchle auch nicht grade erleichtert.<\/p>\n<p>Gef\u00fchle\u2026..puh\u2026.das ist ja genau mein Thema \ud83d\ude00<\/p>\n<p>Trotzdem habe ich das Gef\u00fchl genau diesen Post unbedingt schreiben zu wollen.<br \/>\nChristian und ich schreiben -wie euch sicher aufgefallen ist- unabh\u00e4ngig voneinander die Posts. Gerade bei diesem m\u00f6chte ich das allerdings nochmals betonen, da diese Empfindungen sehr pers\u00f6nlich auf mich bezogen sind. Nat\u00fcrlich denke ich zu wissen, wie sich Christian gef\u00fchlt hat, halte es aber nicht f\u00fcr sinnvoll, dieses Thema in der \u201ewir-Form\u201c auszuf\u00fchren.<br \/>\nVor dem Start unserer Reise habe ich viel gelesen. Eine Menge Reiseblogger berichten \u00fcber ihren theatralischen Abschied, winkend am Flughafen. Zum Gl\u00fcck war das bei uns nicht so. Aber beginnen wir am Anfang. Wann war eigentlich der Anfang? Einige Freunde sieht man, aber rechnet nicht damit, dass man es tats\u00e4chlich nicht noch einmal schafft, den anderen zu treffen.<br \/>\nVon anderen verabschiedet man sich mehrfach &#8211; zumindest innerlich-, weil man es nicht wahr haben m\u00f6chte, dass man sich f\u00fcr eine so lange Zeit nicht sehen kann.<\/p>\n<p>Begonnen hat es mit unseren Kollegen. Menschen, welche man zwei Drittel eines Wochentages permanent um sich hat. Menschen, welche man, in unserem Fall, sehr sehr lieb gewonnen hat. Der letzte Arbeitstag ist da, wir geben Fr\u00fchst\u00fcck aus, bekommen unglaublich liebe Geschenke, aber sonst\u2026.sonst ist alles wie immer. Ich gehe zur Arbeit, habe einen wirklich sch\u00f6nen Tag, verabschiede mich. Thats it. \u201eWar das alles?\u201c &#8211; das kaufe ich mir selbst nicht ganz ab. Im Normalfall bin ich so unglaublich emotional, dass ich Tr\u00e4nen in den Augen habe , sobald im Steigerwaldstadion mal zwanzig Leute mehr mitsingen, als es in der Regel der Fall ist. (okay, das mag jetzt vielleicht auch nicht jeder nachvollziehen k\u00f6nnen^^) Man realisiert es eben einfach nicht. Gar nicht. Ich steige in mein Auto und habe das Gef\u00fchl am n\u00e4chsten Morgen wieder auf diesem Parkplatz zu stehen.<br \/>\nDie n\u00e4chsten zwei Wochen sind unfassbar intensiv. Wir verbringen so viel Zeit wie m\u00f6glich, mit nahe zu allen Menschen, die uns wichtig sind. Jeden Abend ist jemand bei uns zu Gast und wir genie\u00dfen es so gut wir nur k\u00f6nnen. Nebenbei m\u00f6chte ja auch noch eine Wohnung aufgel\u00f6st, eine Abschiedsfeier organisiert, zwei Rucks\u00e4cke gepackt und die Gef\u00fchle unter Kontrolle gebracht werden. Alles wurde von Tag zu Tag stressiger. Da wir aber unfassbar tolle Freunde haben, welche uns in allen Lebenslagen unterst\u00fctzen, waren wir zwar am Ende wirklich urlaubsreif, aber bevor man 1,5 Jahre Freizeit hat, ist das zu verkraften. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Ein bisschen aus der Bahn geworfen hat mich eine besondere Begegnung. Zuf\u00e4llig lerne ich eine Dame kennen, welche mich nur berufsbedingt kennt. Wir sehen uns zum zweiten Mal. Sie schaut mich an und sagt \u201eWas ist denn mit dir los? Kann es sein,dass da jemand pl\u00f6tzlich nicht los lassen kann , oder will!?\u201c<\/p>\n<p>Shit! Mir kullern sofort Tr\u00e4nen \u00fcber mein Gesicht. Das habe ich so nicht erwartet. Sicher ist das auch der Grund, weshalb mich dieser Satz so trifft. Verdammt, sie hat irgendwie Recht! Will ich eigentlich meine Familie so lange nicht sehen, obwohl ich wei\u00df, wie sehr ich ihnen fehlen werde? Will ich ohne meinen s\u00fc\u00dfen, kuscheligen Kater im Arm aufwachen? Will ich den Abstand zwischen den mir so wichtigen Menschen zulassen?! Will ich nicht einfach mal die T\u00fcr hinter mir schlie\u00dfen k\u00f6nnen, an einem Ort, welchen ich \u201ezu Hause\u201c nenne?<\/p>\n<p>Die kommenden Tage sind wirklich nicht leicht. Ich denke viel nach. Sehr viel. Aber verdammt! Ich tue das, wovon ich getr\u00e4umt habe! Was soll daran falsch sein?! Warum wollen wir eigentlich immer das, was wir grade nicht haben?<br \/>\nHier m\u00f6chte ich aber noch kurz ein Danke f\u00fcr die Gespr\u00e4che und alle anderen Dinge, an die hier angesprochene Dame richten, da ich sehr sicher bin, dass sie das hier lie\u00dft \ud83d\ude42<br \/>\nWeiter im Text\u2026<br \/>\nEs ist Ende der Woche- Abschiedsfeier! Wahnsinn! Ihr seid alle verr\u00fcckt! Ich muss es immer wieder sagen: Riesiges Danke an alle. F\u00fcr jede Art der Unterst\u00fctzung! (egal ob Vorbereitungen, Umsetzung, unfassbare Aufr\u00e4umarbeiten, oder selbstverst\u00e4ndlich jedes einzelne Geschenk!) Ihr seid wundervoll.<br \/>\nZur Feier gab es nur wenige Verabschiedungen. Die meisten Leute sehen wir nochmal, oder wir sind schlicht \u00fcberfordert mit all den tollen Menschen, lieben W\u00fcnschen und rennen nur von einer Person zur anderen, sodass kaum gro\u00dfe Emotionen aufkommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Allerdings ist am n\u00e4chsten Tag Heimspiel. Davor grault es mir seit Wochen. Das letzte mal f\u00fcr 1,5 Jahre in meinem geliebten SWS stehen. Dass die Gesamtsituation im Verein nicht die Beste ist, macht es mir nicht leichter. Abpfiff. Ich habe Tr\u00e4nen in den Augen. Na prima. Die Sonne scheint, super f\u00fcr meine Sonnenbrille und mich. So- jetzt aber mal zusammen rei\u00dfen und sich von den Jungs verabschieden. Ein Satz rettet mich: \u201eAnni, hab dich nicht so. Wenn unsere Stadionverbote eintrudeln, d\u00fcrfen wir drei Jahre nicht hier stehen.\u201c Ich muss lachen. Wie wahr\u2026 Immerhin gehe ich freiwillig und kann jeder Zeit zur\u00fcck kommen. Zum Beispiel, wenn es um Auf- oder Abstieg geht. Aber wir wollen mal nicht \u00fcbertreiben \ud83d\ude09<br \/>\n(zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung, ist dieser Beitrag schon ein paar Wochen alt, wie jedem Fu\u00dfballinteressenten jetzt sicher auff\u00e4llt)<br \/>\nInnerhalb der kommenden Woche versuche ich mit allen wichtigen Menschen vor Ort so gut und so intensiv wie nur m\u00f6glich meine Zeit zu verbringen. Klappt besser als vermutet. Ich nehme mir die Zeit und genie\u00dfe diese.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hei\u00dft das wenig Schlaf, viel zu tun, Stress. Die letzten Stunden auf den Tanzfl\u00e4chen Erfurts, ein letztes Mal der Blick vom Petersberg auf die sch\u00f6nste Stadt der Welt. Nicht nur genau diese Menschen werde ich unglaublich vermissen, nein \u2013 mein Erfurt wird mir fehlen! Seit zehn Jahren lebe ich nun hier, habe so viel erlebt, unfassbar viele und tolle Menschen kennengelernt und was soll ich sagen!? Erfurt ist meine zweite Heimat geworden. #meinerfurtdichwerdichvermissen<br \/>\nDonnerstag, 17.00Uhr Wohnungs\u00fcbergabe \u2013 17.15 Uhr tragen wir die letzten Kartons aus der Wohnung, w\u00e4hrend die Dame der WBG die Schl\u00fcssel pr\u00fcft und mit der neuen Bewohnerin alles begutachtet. Die letzten Tage waren stressig. Am Abend fahre ich mit dem Auto voller Kartons zu meinen Eltern. Es ist schon dunkel, die Lichter der Stadt strahlen mir entgegen. Nat\u00fcrlich rollen mir Tr\u00e4nen \u00fcber das Gesicht.<\/p>\n<p>Freitag fahren wir ein letztes Mal zu Christians Familie und Freunden nach Laucha. Wir haben einen sch\u00f6nen Abend und viele herzliche Momente und Umarmungen. Samstag zur\u00fcck nach Saalfeld, zu meiner Familie. Auf die Verabschiedung von Eltern muss ich wohl nicht n\u00e4her eingehen, oder?! Nat\u00fcrlich versucht man f\u00fcr sich selbst und alle Beteiligten m\u00f6glichst stark zu sein, aber ich denke jedem ist klar, was es f\u00fcr Eltern hei\u00dft, ihre Kinder \u00fcber ein Jahr nicht zu sehen und jedem ist ebenso bewusst wie es sich f\u00fcr Kinder anf\u00fchlt, die eigenen Eltern weinen zu sehen. Es gibt wenige schlimmere Gef\u00fchle.<\/p>\n<p>F\u00fcr Samstag haben wir meine Familie und einige unserer wichtigsten Freunde zu meinen Eltern zum grillen eingeladen. Ich habe etwas Angst vor dem Abend. Alles ist wie ich es erwartet habe- alle verstehen sich super, die Omis und Opis machen sich recht fr\u00fch auf den Heimweg. Nun hei\u00dft es allerdings noch die besten Freunde der Welt zu verabschieden. Sicherlich ahnt ihr, was ich jetzt schreibe\u2026 Nat\u00fcrlich habe ich geweint. Vor allem aber habe ich auch gelacht, getanzt und die letzten Stunden unfassbar genossen.<br \/>\nSonntag Verabschiedung meiner Eltern, Hund und Katze. Ziemlich hart f\u00fcr mich. Ich versuche mich so gut wie m\u00f6glich zusammen zu rei\u00dfen. Das klappt auch eigentlich ganz gut. Sicher auf Grund der Tatsache, dass meine Schwester bei uns ist, da wir ja mit ihr nach Hannover fahren, um von dort aus zu trampen.<\/p>\n<p>Diese ganze Sache mit dem Abschied auf Zeit war nicht leicht f\u00fcr mich. Das ist mit Sicherheit v\u00f6llig normal, alles andere w\u00e4re unmenschlich. Allerdings sind 1,5 Jahre eine lange Zeit. Es wird sich viel ver\u00e4ndern. Wir werden uns ver\u00e4ndern.<br \/>\nIn dieser Zeit bauen unsere Freunde H\u00e4user, die Kinder wachsen und wer wei\u00df, ob nicht der ein oder andere verheiratet ist, bis wir zur\u00fcck sind. Das ist der normale Lauf der Zeit. Jeder sollte tun, was ihn wirklich gl\u00fccklich macht.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter\u2026.<\/p>\n<p>Anni<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lang will ich diese Zeilen schon schreiben. Nie ist der richtige Moment. 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