{"id":1051,"date":"2017-12-27T09:44:44","date_gmt":"2017-12-27T08:44:44","guid":{"rendered":"http:\/\/losreiser.de\/?p=1051"},"modified":"2017-12-27T17:21:50","modified_gmt":"2017-12-27T16:21:50","slug":"wie-alles-begann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/losreiser.de\/?p=1051","title":{"rendered":"Wie alles begann&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Vietnam\/April 2015 \u2013 Anni und ich sitzen am Ufer des Hoan-Kiem-Sees inmitten von Hanoi. Es ist schon sp\u00e4t und es dringen vietnamesische B\u00e4sse aus schlechten Anlagen in unsere Ohren. Der kleine See wirkt wie ein Ruhepol zwischen unz\u00e4hligen Energieb\u00fcndeln der quirligen Hauptstadt Vietnams. Die Lichter der grellen Reklameleuchten spiegeln sich darin wieder, wie das L\u00e4cheln in unseren Gesichtern, welches uns die Vietnamesen seit einem Monat entgegenbringen. Ganz gleich, ob im Norden in der Halong-Bucht, dem s\u00fc\u00dfen St\u00e4dtchen Hoi An im Zentrum oder auf der traumhaften Insel Phu Quoc im S\u00fcden. Die Magie des L\u00e4chelns ber\u00fchrt, denn sprachliche Barrieren \u00fcberwinden wir mit Mimik und Gestik. Kritische Blicke, ein kurzes \u201eHi\u201c oder Augenzwinkern k\u00f6nnen so vieles bedeuten. Ein L\u00e4cheln hingegen sagt \u00fcberall auf der Welt viel mehr aus. Es macht gl\u00fccklich und bleibt lange erhalten. Durch nichts kann man seinen K\u00f6rper einfacher austricksen.<\/p>\n<p>Es ist der letzte Tag unserer Reise durch Vietnam. Einen Monat sind wir vom Norden in den S\u00fcden, Step by Step, gereist. Morgen soll uns der Flieger wieder in Richtung Deutschland bringen. Wir sind uns unserer Gef\u00fchle nicht sicher. Sind wir traurig, dass die Reise wieder einmal zu Ende geht? Oder gl\u00fccklich, dass wir so viele Erfahrungen mitnehmen und auf unsere deutschen Verhaltensmuster \u00fcbertragen k\u00f6nnen? Das Dauergrinsen gef\u00e4llt mir und ich spreche aus, was Anni bereits seit Monaten oder Jahren denkt. \u201eWie w\u00e4re es denn, wenn wir diese Art zu Reisen mal \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum erleben k\u00f6nnten?! Im Hier und Jetzt leben zu k\u00f6nnen, das Dauergrinsen beizubehalten, anstatt an Verpflichtungen von Morgen, n\u00e4chster Woche, n\u00e4chstem Monat oder der n\u00e4chsten Jahren denken zu m\u00fcssen?!\u201c Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz, dass man in Deutschland nur kleinen Kindern ein L\u00e4cheln zuwirft. Oder eventuell mal Erwachsenen. Aber selbst dann bekommt man meist nur ungl\u00e4ubige Gesichter zugeworfen. Der Beschluss war schneller gefasst, als man in Vietnam eine Stra\u00dfe \u00fcberqueren sollte, der Grundstein gelegt, unserem Vorhaben wurde ein Rahmen geschaffen. (<a href=\"http:\/\/losreiser.de\/?page_id=97\">HIER<\/a> findet ihr den Link zu unserem Video, welches wir \u00fcber unsere Reise durch Vietnam gedreht hatten)<\/p>\n<p>Zu Hause angekommen st\u00fcrzen wir uns direkt ins bis dahin Unbekannte. Die Vorbereitungen laufen sofort an. Wer reisen m\u00f6chte, ben\u00f6tigt nat\u00fcrlich auch das n\u00f6tige Kleingeld, zumindest dachten wir das zu diesem Zeitpunkt noch. So arbeiten wir im Sommer auf Festivals, verbinden damit unsere Leidenschaft zur Musik und lernen tolle Menschen kennen. Die Woche endet nicht zum Freitag Mittag, sie geht erst so richtig los, bis es Sonntag Abend zur\u00fcckgeht &#8211; Montag Morgen sitzen wieder im B\u00fcro.<br \/>\nIm Winter hingegen folgt die Kabarett-\/ Konzert-\/ Weihnachtsfeiersaison. So mixen wir Woche f\u00fcr Woche tausende leckere Cocktails und schmei\u00dfen die Bar, w\u00e4hrend wir singen, tanzen und springen und die Band die B\u00fchne rockt. Spa\u00df bei der Arbeit haben wird f\u00fcr uns immer wichtiger.<\/p>\n<p>Unser Lebensstil wandelt sich sehr schnell. \u201eWow, das Shirt ist aber nice!\u201c\u2026.- aber w\u00fcrde ich das in meinen Rucksack packen?? Nein, wahrscheinlich nicht.<\/p>\n<p>Der Konsum s\u00e4mtlicher Dinge schr\u00e4nkt sich extrem ein, sobald einem bewusst ist, dass jeder Besitz eigentlich nur ein Ballast ist.<\/p>\n<p>Jetzt denkt ihr sicherlich: \u201eAber ihr m\u00fcsst doch auch euer Leben ein bisschen genie\u00dfen!\u201c Keine Angst, das tun wir in vollen Z\u00fcgen! Ja, die Arbeit ist oft stressig, aber sie macht Spa\u00df, wir haben viele tolle Menschen kennengelernt und Freunde gewonnen. Und wenn wir mit unseren Freunden feiern gehen, haben wir sehr viel Spa\u00df, auch ohne 50 Euro ausgeben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mehrfach schauen wir uns gemeinsam mit Familie und Freunden die Urlaubsbilder an und umrei\u00dfen grob unsere Gedankenwelt in Bezug auf unser Vorhaben. So richtig ernst genommen werden wir dabei noch nicht. Klar, frisch aus dem Urlaub zur\u00fcck schwirren einem nat\u00fcrlich die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. \u201eIhr seid doch verr\u00fcckt!\u201c, \u201eDas w\u00fcrde ich auch gern mal machen!\u201c, \u201eWollt ihr daf\u00fcr wirklich euren Job daf\u00fcr aufgeben?!\u201c.<\/p>\n<p>Doch irgendwann ist es soweit &#8211; der Rahmen unseres Vorhabens nimmt immer mehr Gestalt an und es steht ein wichtiger Schritt wortw\u00f6rtlich vor der T\u00fcr: Unseren Eltern beibringen, dass wir das Ganze wirklich ernst meinen. Wir haben uns bereits an all das, was gerade passiert, gew\u00f6hnt. Umso leichter f\u00e4llt es uns, den unz\u00e4hligen Fragen zu stellen und mit Bravour zu meistern! Als Elternteil m\u00f6chte man sein Kind nat\u00fcrlich ungern in die weite Welt ziehen lassen, nicht zu wissen, was da auf einen zukommt, immerhin werden wir den W\u00f6lfen sinnbildlich zum Fra\u00df vorgeworfen. Der wichtigsten Frage dabei ist: \u201eUnd wann wollt ihr da wiederkommen??\u201c. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir das leider selber nicht, was dem Ganzen nat\u00fcrlich noch das i-T\u00fcpfelchen verpasst.<\/p>\n<p>Was passiert eigentlich mit unserem Job? Kurze Zeit sp\u00e4ter beantragen wir ein Sabbatjahr. Leider wird es von unserem Arbeitgeber zweifach abgelehnt. Das \u00e4ndert unsere Pl\u00e4ne jedoch nicht! Der Entschluss steht so fest, dass wir die Erf\u00fcllung unseres Traumes nicht nicht davon abh\u00e4ngig machen wollen, wo wir \u201edanach\u201c arbeiten. Wie Ying zu Yang geh\u00f6rt, scharfes Essen zu Thailand, der Strand zum Meer, das Bier zur Bratwurst, steht f\u00fcr uns fest, wir geh\u00f6ren in die gro\u00dfe weite Welt. Nach reichlich \u00dcberlegungen entschlie\u00dfen wir uns zu k\u00fcndigen, falls das Unternehmen keinen anderen Weg findet.<br \/>\nJa, ein Job ist in Deutschland sehr wichtig. Unser Job hat uns Spa\u00df bereitet und dass wir eine K\u00fcndigung in Erw\u00e4gung zogen, war kein b\u00f6ser Wille. Es war ausschlie\u00dflich der Wille endlich in der Welt zu Haus zu sein.<\/p>\n<p>Erfurt\/M\u00e4rz2017 \u2013 Nach riesiger Unterst\u00fctzung lieber Kollegen und Vorgesetzten bekommen wir offiziell die Zusage unseres Arbeitgebers, unseren Arbeitsvertrag bestehen zu lassen und dass wir im September 2018 wieder anfangen k\u00f6nnen zu arbeiten. Obwohl zwischen Erfurt und unseren jeweiligen Heimatst\u00e4dten unserer Eltern rund 80 Kilometer liegen h\u00f6re ich quasi die Steine Ihrer Herzen fallen, wie ein Feuerwerk an Silvester.<\/p>\n<p>Wir sitzen gemeinsam mit Freunden in unserer Wohnung, unter einem riesigen Haufen Klamotten, Schuhen, Dekoartikeln, K\u00fcchenutensilien und M\u00f6belteilen. Einen gro\u00dfen Teil haben wir bereits auf dem Flohmarkt verkauft oder verschenkt. Mit dem Wissen, dass wir in 3 Wochen mit einer wei\u00dfen Weste starten wollen, tauschen wir nochmal die wildesten Gedanken aus. Es gilt, noch auszusortieren, was noch auszusortieren geht. Auch wenn wir uns l\u00e4nger nicht sehen werden: auf unsere Freunde ist halt immer Verlass! Auch hier bekommen wir gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzung und jeder hilft, wo er nur kann. Leicht wie eine Feder verabschieden wir uns von s\u00e4mtlichem Schnickschnack und doch f\u00fchlt es sich wie ein Klotz am Bein an, unsere Freunde und Familie in n\u00e4chster Zeit nicht mehr so regelm\u00e4\u00dfig sehen zu werden. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir nicht, dass es uns schwerer f\u00e4llt, als wir denken\u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170203_202348.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1057\" src=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170203_202348-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170203_202348-300x225.jpg 300w, http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170203_202348-768x576.jpg 768w, http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170203_202348-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170129_215102.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1058\" src=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170129_215102-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170129_215102-300x169.jpg 300w, http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170129_215102-768x433.jpg 768w, http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20170129_215102-1024x577.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unsere letzten Tage und Wochen in Erfurt sind sehr stressig. Wir essen wenig, schlafen kaum. Auch wenn wir das gro\u00dfe Gl\u00fcck hatten, dass wir unsere Wohnung komplett m\u00f6bliert abgeben k\u00f6nnen, m\u00f6chten die Bad- und K\u00fcchenschr\u00e4nke irgendwann ausger\u00e4umt werden. Dass auch hier nochmals mehrere Autoladungen voller Kisten entstehen, haben wir so nicht erwartet. Unsere Abschiedsfeier organisiert sich nicht von allein und nachdem die Wohnung \u00fcbergeben, der Abschied ausgiebig gefeiert und die Tr\u00e4nen gerollt sind, m\u00f6chte ja unser Begleiter f\u00fcr die n\u00e4chsten 1,5 Jahre, unser Backpack, auch noch ein wenig Aufmerksamkeit. So gilt es in letzter Sekunde zu entscheiden, welches Shirt zu den 5 auserkorenen geh\u00f6rt und ob man wirklich zwei Paar Schuhe braucht.<\/p>\n<p>Thailand\/Dezember 2017 \u2013 Wir sitzen im Klassenraum der Schule in Nong Chang. Seit einigen Tagen geben wir Englisch-Unterricht f\u00fcr alle Altersklassen, vom 3 bis 50-j\u00e4hrigen, vom Zwerg bis zum Riesen, spielen Spiele und skypen durch ganz Thailand. Es ist sch\u00f6n zu sehen, wie viel Spa\u00df wir dabei entwickeln&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20171224_101119.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1060\" src=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20171224_101119-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20171224_101119-300x225.jpg 300w, http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20171224_101119-768x576.jpg 768w, http:\/\/losreiser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_20171224_101119-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor eineinhalb Woche erst verabschiedeten wir 3 neue Freunde, die weiterreisen, mit denen wir in den letzten Wochen den ein oder anderen laotischen Berg erklommen hatten, wilde Fahrten in v\u00f6llig \u00fcberladenen Tuk Tuks durchstanden und den ein oder anderen Lao Lao, dem laotischen Schnaps, tranken. Aus Koffern wurden Rucks\u00e4cke, die Reisedauer von einem Monat auf mittlerweile ca. 9 Monate ausgedehnt, die Anzahl an Schl\u00fcppis verringert, ein fester Wohnsitz existiert nur noch auf dem Papier, die Gedankenwelt und die Ruhe in uns erweitert, der Freundeskreis ausgedehnt und die Haare wurden l\u00e4nger, die Haut brauner.<\/p>\n<p>Nur eines blieb gleich \u2013 der Partner an unserer Seite. Und der Stolz, das alles gemeinsam zu meistern. Nicht zu wissen, was wir morgen machen, geschweige denn, wo wir \u00fcbernachten werden. 9 Monate und unz\u00e4hlige Kilometer liegen bereits hinter uns. Und es waren die Sch\u00f6nsten unseres Lebens&#8230;<\/p>\n<p>Die Welt steht uns offener denn je. Das Dauergrinsen ist zum Lebensmotto geworden. Nicht nur weil wir in 3 Tagen Besuch unserer liebsten Freunde bekommen und wir Silvester in Kuala Lumpur verbringen werden, sondern weil das Leben viel sch\u00f6ner ist, wenn man es zu sch\u00e4tzen wei\u00df und es so nimmt, wie es kommt\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>&#8222;Der Tag, an dem du aufh\u00f6rst, das Rennen mitzumachen, ist der Tag, an dem du das Rennen gewinnst&#8220;<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>Christian<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vietnam\/April 2015 \u2013 Anni und ich sitzen am Ufer des Hoan-Kiem-Sees inmitten von Hanoi. Es ist schon sp\u00e4t und es dringen vietnamesische B\u00e4sse aus schlechten Anlagen in unsere Ohren. Der kleine See wirkt wie ein Ruhepol zwischen unz\u00e4hligen Energieb\u00fcndeln der quirligen Hauptstadt Vietnams. 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